Baumschnitt - leichter gemacht

 Für den Gehölzschnitt an Obstbäumen und Beerensträuchern ist jetzt die richtige Zeit. Die kahlen Zweige erleichtern den Blick auf die Struktur der Pflanze. Bis Ende Februar verharren die Pflanzen noch in Ruhezeit. 
Sobald die Säfte steigen und die Knospen anschwellen, darf nicht mehr geschnitten werden. Aber auch jetzt gilt: Das Thermometer sollte mindestens fünf Grad Plus zeigen. 

Im Prinzip brauchen freiwachsende Gehölze und Bäume an ihrem endgültigen Standort nicht geschnitten zu werden. Die Natur regelt sich von selbst, wenn man sie denn läßt. Da dies aber wahrlich nur sehr selten der Fall ist - die Gründe dafür hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen - sind Schnittmaßnahmen an Gehölzen und Bäumen zwangsläufig nicht zu vermeiden.

Eine Voraussetzung für vernünftig durchgeführte Schnittmaßnahmen ist das passende Schneidewerkzeug. Scheren sollten scharf sein, das gilt auch für Handsägen. Die Astpartien nicht quetschen, sondern wirklich schneiden. Der Einsatz von Motorsägen hat bei einem Baumschnitt nichts zu suchen, es sei denn der saubere Nachschnitt am Stamm, bzw. an Starkästen, erfolgt mittels einer Handsäge oder Schere.

Grundsätzlich gilt: Geschnitten wird auf Astring (sofern vorhanden), bzw. die vorhandene Schutzzone bleibt erhalten (siehe Bild). Dies fördert eine Überwallung mit Kambium und hält die Schnittwunde möglichst klein. Nicht parallel zum Stamm schneiden und auch keinen "Stummel" übriglassen.
sauberer Schnitt


Der arttypische Charakter des Baumes sollte erhalten bleiben und nach dem Schnitt auch noch zu erkennen sein. Auf die Hierarchie der Verzweigungen achten! Einzukürzende Äste nicht einfach irgendwo abschneiden, sondern auf einen untergeordneten Seitenast ableiten.

Laubbäume können nach dem Laubfall, bzw. vor Beginn der Vegetationsperiode ge- schnitten werden. Der nach neuesten Erkenntnissen befürwortete Sommerschnitt, der den Baumschulisten schon seit langen Zeiten bekannt ist, zeigt einmal mehr auf wie kontrovers dieses Thema geführt wird. Sicherlich hat alles seine Vor- und Nachteile. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen und ist auch von der Stärke des geplanten Eingriffes abhängig zu machen. Der Eindruck, "Frage drei Fachleute und Du erhältst fünf verschiedene Antworten", ist hier durchaus angebracht und mehr als berechtigt.

bsolute Ausnahmen sind aufgrund ihres hohen Saftdruckes die "blutenden" Arten von Acer (Ahorn), Betula (Birke) und Juglans (Walnuss), die am besten immer nur in belaubtem Zustand geschnitten werden sollten. Acer (Ahorn) kann noch zudem unmittelbar nach dem Laubfall geschnitten werden.

Nadelbäume, immergrüne und Formgehölze, wie z.B. Spalier- oder Kastenlinden, können sehr gut bei mildem Wetter während der Vegetationsperiode geschnitten werden.


Kappungen von Stämmlingen an Bäumen während ihres Reifealters sind sinnlos, führen zur Zerstörung der Baumstruktur und fördern das Einfaulen der betreffenden Zonen. Aus- nahmen bilden hier die sogenannten Kopfbäume (u.a. Weiden, Linden), die entweder - aus welchem Grund auch immer - einst dazu gemacht wurden oder bereits seit ihrer Jugend in dieser Form gehalten werden.

Auch bei Bäumen im fortgeschrittenen Altersstadium, wo die Verkleinerung der Kronenfläche als eine Überlebensstrategie anzusehen ist, können zwangsläufig Ausbrüche, z.B. Windbruch, durch kappungsähnliche Eingriffe verhindert werden. Zudem besteht bei diesen Bäumen noch die Möglichkeit durch rechtzeitiges Eingreifen dem natürlichen Verfall zuvor zu kommen und - wenn möglich - durch Ableitungsschnitte auf untergeordnete Äste die betreffenden Kronenteile noch möglichst lange reduziert, aber arttypisch, zu erhalten.

 

Die Blüte abwarten
Ziersträucher wie Forsythie oder Mandelbäumchen könnten auch gelichtet und in Form gebracht werden. Aber Sie würden sich um einen Teil der Blüte bringen. Deshalb ist es vernünftiger zu warten, bis die Sträucher abgeblüht sind. 

Unter folgendem Link werden Ihnen anschauliche Hilfen für den Gehölzschnitt gegeben: Aus "mein-schoener-garten.de. 

Wer Obstbäume schneidet, braucht viel Einfühlungsvermögen
Über Obstbaumschnitt kann sehr viel gesagt werden. Ganze Bücher befassen sich ausschließlich mit diesem Thema. Wer sich zum ersten Mal daran wagen will, sollte einem erfahrenen Gärtner über die Schulter schauen. 

Gelegentlich bieten Gärtner und Baumschulen Kurse an. Im gewerblichen Obstbau werden die Bäume ausgeschnitten, um einen optimalen Ernteertrag zu erzielen. Darauf ist heute kaum noch ein Hobbygärtner angewiesen. Sinnvoll ist aber, dem Baum genügend Luft und Licht zu verschaffen. Diese Arbeiten erfordern allerdings ein gewisses fachmännisches Können und vor allem Einfühlungsvermögen. 

So bekommt die Krone Luft

So bekommt die Krone Luft
 

Hier einige Grundregeln:
Schneiden Sie alle Äste ab, die nach Innen wachsen.

Von den Zweigen, die sich kreuzen oder reiben, muss einer weggeschnitten werden.

Äste, die senkrecht nach oben wachsen, sind meist Sünden des letzten Obstbaumschnitts. Die so genannten Schosser müssen abgeschnitten werden. Eine andere umständliche Möglichkeit ist, die Zweige nach unten zu binden, damit sich Fruchtansätze bilden.

Die Schere soll immer oberhalb eines nach außen weisenden Auges angesetzt werden.

Wenn Sie größere Äste abgesägt haben, muss die Wunde mit Wundwachs versorgt werden. 
 

Es gibt auch auch noch verschiedene Schnittarten, nach dem man die Bäume schneiden kann oder sollte.

 

1. Erziehungs- und Aufbauschnitt, Pflanzschnitt

Wird in den Baumschulen durchgeführt, bzw. begonnen. Im wesentlichen geht es darum einen arttypischen Kronenaufbau positiv zu fördern. Es werden Konkurrenz- triebe, insbesondere Zwiesel entfernt, bzw. zurückgesetzt. Bestehende Astquirle sind zu vereinzeln. Der Aufbau eines durchgehenden Leittriebes ist gegebenenfalls mittels stäben zu fördern. Sich reibende, kreuzende, gebrochene oder mit eingewachsener Rinde ausgestattete Seitenäste sind zu entfernen. Stark- oder Hauptäste sind in Relation zum Kronenvolumen einzukürzen. Stammausschläge und Wildlinge sind zu entfernen.
Beim Rückschnitt von Seitentrieben und Ästen immer auf ein nach aussen, gestelltes Auge schneiden. Bäume die durch Terminalknospen treiben nach Möglichkeit gar nicht, bzw. nur sehr behutsam, zurückschneiden, wenn möglich nur auslichten. Dies sind insbesondere Aesculus (Kastanien), Betula (Birke), Fraxinus (Esche), Juglans (Walnuss), Liriodendron (Tulpenbaum), und Magnolia (Magnolie).

2. Erhaltungsschnitt

Eine Kronenpflege oder Auslichtung soll durchgeführt werden ohne die Kronen- struktur des Baumes wesentlich zu verändern. Die Schnittmaßnahmen bewegen sich dabei hauptsächlich im Feinast- und Schwachastanteil des Baumes. Darüber hinaus geht es darum Fehlentwicklungen zu korrigieren. Konkurrierende Äste zu entfernen, bzw. einzukürzen, Wasserreiser zu entnehmen, Totholz zu entfernen.

3. Verjüngungsschnitt

Ziel ist es, durch gleichmäßiges Auslichten und Rücknahme der gesamten Krone, einen arttypischen und einheitlichen Habitus zu erhalten, bzw. sich wieder entwickeln zu lassen. Sollten immer noch Fehlstellungen von Ästen vorhanden sein, sind diese ebenfalls zu korrigieren, wie auch die Entnahme von Totholz. Diese Maßnahme ist in der Regel nur nötig wenn der gepflanzte Baum an seinem Standort an die Grenzen in seinem Baumumfeld stößt oder in die Verkehrssicherheit eingreift. Der darauf ,bei einigen Arten besonders stark, einsetzende Austrieb muss im Folgejahr ausgelichtet und nach etwa drei Jahren mittels eines Erziehungsschnittes korrigiert werden.

 

 

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